Katholisches Bildungswerk Stuttgart

Soziales Europa im Gespräch

Auf der Suche nach einem europäischen Narrativ
27.11.2017

Lebendige Diskussionen bist nach 22 Uhr löste der Abend in der Reihe „Soziales Europa im Gespräch“ aus. Konsens herrschte unter den Beteiligten, dass es in der Europäischen Union so wie bisher nicht weiter gehen kann.

Was sich ändern muss brachte am markantesten Ton Nijhuus, Leiter des Deutschlandinstituts der Universität Amsterdam in zwei Anforderungen auf den Punkt: (auf dem Foto in der Mitte, zwischen Evelyne Gebhardt, MdEP und Anette Rueß, Pulse of Europe)

Erstens: Nachdem Jahrzehnte lang in Europa die Zeichen auf Grenzen öffnen und (Handels)Schranken abbauen standen, müsse jetzt der Schutz der „Verlierer des neoliberalen wirtschaftlichen Kurses“ stärker in den Vordergrund rücken. Denn die verursachen den deutlichen Rechtsruck in einigen Europäischen Ländern.
Zweitens: Während europapolitisches Handeln bislang auf Konsens abhebt und immer wieder auch (Formel)Kompromisse gesucht hat in denen sich alle irgendwie – wenn auch zähneknirschend – wiederfinden konnten, müssen in Europa die Widersprüche, die kontroverse Debatte wieder stärker auf die Tagesordnung. Nur so kann sich Europa wirklich demokratisch und im Interesse aller Bürger weiter entwickeln.
Diskutiert wurde auch über das „Friedensprojekt Europa“, das einerseits nicht unterschätzt werden dürfe, aber allein als Leitbild nicht mehr ausreicht. Die Fragen der Gerechtigkeit müssen in den einzelnen Staaten und zwischen den Staaten gründlicher diskutiert, und Lösungen gefunden werden.
Und eine Teilnehmerin aus dem Publikum machte deutlich, dass das Thema Gerechtigkeit auch nicht an den Außengrenzen – z.B. in den Handelsabkommen mit Afrika – außer Acht gelassen darf. So lange Europa sich an der wirtschaftlichen „Ausbeutung“ afrikanischer Ländern beteiligt, ist die Flucht aus diesen Ländern nach Europa nicht nachhaltig aufzuhalten.

Tilman Kugler